Geschichte

Die Gründungsjahre

Die Gründung eines eigenen Turnvereins in Attiswil war nicht einfach, denn der Widerstand war namentlich bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung sehr gross. Es hiess: „Wenn die Buebe würde schaffe, würd’ne s’umegumpe vergoh!”

Trotzdem wurden immer neue Vereine ins Leben gerufen. 1906 entstand in Wiedlisbach ein Turnverein. Ab 1910 waren einige junge Burschen aus Attiswil im Turnverein Wiedlisbach dabei und besuchten mit diesem 1914 – knapp vor Kriegsbeginn – die beiden Turnfeste in Lotzwil und Interlaken.

Mitten im Krieg entschlossen sich dann 14 Burschen einen eigenen Turnverein ins Leben zu rufen und dies unter allen Umständen: Nur entschlossenes, energisches Handeln konnte zum Erfolg führen. Unterlagen wurden beschafft und die Gründung vorbereitet.

Am 10. April 1916 fand die Gründungsversammlung statt. Unterstützung materieller oder finanzieller Art war damals im Dorf nicht zu erwarten.

Die Gründer waren: Fritz Gasser, Rudolf Wyss, Fritz Jost, Erwin Jost, Fritz Jost II, Walter Jost, Ernst Wyss I, Ernst Wyss II, Ernst Schaad, Hans Schaad, Adolf Aebi, Gottfried Kurt, Robert Hohl und Ernst Hofstetter.

oben: Gottlieb Gasser, Ernst Wyss, Erwin Jost, Walter Jost;
mitte: Hans Hofstetter, Walter Jost, Rudolf Ryf, Gottfried Kurth, Walter Allemann;
unten: Ernst Wyss, Ernst Hofstetter, Fritz Jost.

Zwei Mal in der Woche, am Donnerstagabend und Sonntagvormittag, wurde geturnt. Bei schönem Wetter draussen, bei schlechtem Wetter im grossen Saal vom Gasthof Löwen. Der neue Verein gab im Dorf viel zu reden. Ein Gesuch an die Gemeinde um Unterstützung für Materialbeschaffung und Instandstellung des Turnplatzes blieb unbeantwortet. – Dessen ungeachtet war es vorläufig das erste Ziel, den Turnverein durch die Kriegsjahre zu bringen.

1916 war der Beitritt zum oberaargauisch-emmentalischen Bezirksturnverband und damit auch zum kantonalen und eidgenössischen Turnverband.

1917 fand die erste Turnervorstellung statt, die erste Hauptversammlung wurde durchgeführt und im Turn- und Stammlokal, dem Löwen, lag die wöchentlich erschienene Turnzeitung auf.

Um den Löwensaal als Turnlokal im Winter etwas heizen zu können, beschloss der Vorstand, ein Gesuch an die Burgergemeinde für Brennholz zu stellen; dieses wurde jedoch abgewiesen.

1918 war der erste Festbesuch am Bezirksturnfest in Hindelbank. Am Kantonalturnfest in Lyss 1919 errang der Turnverein Attiswil bereits den ersten Lorbeerkranz mit 138,5 Punkten.

1920 konnte wegen der Maul- und Klauenseuche kein Turnprogramm aufgestellt werden, da Vereinsverbot herrschte.

1922 nahm der Turnverein Attiswil in St. Gallen das erste Mal an einem Eidgenössischen Turnfest teil.

Gute turnerische Erfolge lösten sich ab, doch das Defizit in allen Belangen am Amtsturntag in Attiswil 1929 brachte einen Rückschlag: Es wurde beschlossen, 1930 keine Monatsbeiträge einzuziehen und keine Beiträge an die Verbände zu bezahlen. Der Verein machte eine ernste Krise durch. Es wurden weder die Bezirksturnfahrt noch das Bezirksturnfest besucht.

Heftige Diskussionen mit politischem Charakter führten 1930 zur Auflösung des Vereins durch Mehrheitsbeschluss.

Am 31. Juli 1930 kam es zur Neugründung des Turn- und Sportvereins Attiswil.

17 Mitglieder hatten sich eingeschrieben und mit einem neuen Vorstand nahm der Verein den Turnbetrieb wieder auf. Die jungen Turner spielten sogar Fussball, und der neue Verein schloss sich dem Solothurnischen Fussballverband an, deren Meisterschaft er ein Jahr lang bestritt.

Durch diese Zweiteiligkeit war es nicht möglich, einen geordneten Turnbetrieb zu führen. So konnte man 1932 auch das Eidgenössische Turnfest in Aarau nicht besuchen. Dieser gemischte Sportbetrieb hielt nicht lange an. Schon bald stand wieder ein reiner Turnbetrieb auf dem Programm. Der Vereinsname wurde wieder in Turnverein Attiswil abgeändert.

Hinter dem Löwen entstand in Fronarbeit ein Sportplatz mit Gerätehäuschen. Sprunggruben wurden ausgehoben, neue Reck- und Ringgerüste erstellt und es konnte bald wieder fleissig geübt werden.

Der Turnbetrieb im neu gegründeten Verein machte grosse Fortschritte und die Turner kehrten 1936 erfolgreich vom Eidgenössischen Turnfest in Winterthur zurück.

Barrenprogramm am ETF 1936 in Winterthur

In den folgenden Jahren nahm alles einen befriedigenden Verlauf. Laubgeschmückt kehrten einige Einzelturner von eidgenössischen und kantonalen Turnfesten nach Hause zurück. Es war wieder eine richtige Turnerfamilie.

Erneut zogen dunkle Kriegswolken von Norden gegen die Schweiz: Am 2. September 1939 wurde zum zweiten Weltkrieg mobilisiert.

Der Turnbetrieb wurde lange unterbrochen. Nur der turnerische Vorunterricht wurde regelmässig durchgeführt. Somit war dem Verein der nötige Nachwuchs gesichert.

Eine schlichte Feier fand am 7. September 1941 statt. Die Festrede mit Rückblick über die vergangenen 25 Jahre wurde vom Ehrenmitglied und Gründer Fritz Jost aus Bern gehalten.

Die mittleren 50 Jahre

Diese waren stark vom Wandel geprägt. Anfangs reiste man noch mit dem Lederkoffer an und turnte mit Lederhalbschuhen, ganz weiss gekleidet mit Turnleibchen und kurzen Hosen. Nach dem Einmarsch in Viererkolonnen turnte man strenge Marschübungen nach dem lauten Kommando des Oberturners mit anschliessenden Freiübungen und Strammstehen in Achtungsstellung.

Heimkehr vom Turnfest 1953

Ab 1972 am eidgenössischen Turnfest in Aarau setzte  ein  grosser  Wandel  ein.  Die  Turner erschienen in farbigen Tenues und turnten zu Musik.  Anfänglich  zu  Klavierbegleitung  und Rhythmusgeräten, dann immer mehr zu aktueller Musik. Die Zeit der Grossfeldgymnastik begann. Es entstanden Choreographien, welche nebst dem Fitness- und Leistungsteil mit Tanz- und Ballettbewegungen ergänzt wurden.

Anfänglich sahen alle Turner genau gleich aus mit dem einheitlichen weissen Turntenue. Man unterschied sich nur mit dem Turnbändeli und der Fahne von den anderen Vereinen.

Dank den neuen Stoffen in verschiedenen Farben kleideten sich die Vereine neu ein. Die Vereinstrainer und Vereinstrikots dienten neu als äusseres Zeichen der Zusammengehörigkeit.

Die letzten 25 Jahre

Hans Wyss legte den Grundstein für die Leichtathletikriege anfangs 1991. Mit grossem Engagement trainierte er von Jahr zu Jahr mehr Mädchen und Knaben.

Durch tolle Erfolge sprach es sich schon bald herum, dass in Attiswil gutes Leichtathletik-Training geboten wird. Dieses Angebot wurde von Athleten aus der ganzen Region genutzt.

Auf dem Lindenrain wurde es zum Teil eng mit dem Training, da schon andere Sportvereine trainierten. Im Winter konnte mit der Miete der Turnhalle in Rumisberg eine gute Lösung gefunden werden. Mit der Leichtathletik- Riege konnte eine optimale Ergänzung zu der Jugendriege angeboten werden für diejenigen, welche sportlich noch mehr erreichen wollten.

Dies hatte sogar auf die Aktivriege Auswirkungen. Der Fokus wurde neu auch in der Aktivriege auf Leichtathletik gelegt. Vorher war die Aktivriege jahrzehntelang immer mit einer Grossfeldgymnastik an den Turnfesten vertreten.

Diese entwickelte sich, wie schon früher erwähnt immer mehr in eine choreographisch aufwändige Tanz- und Ballettaufführung. Leichtathletik und Grossfeldgymnastik war für einen Dorfverein wie den TV Attiswil zu viel. So gab man gegen Ende des letzten Jahrtausends die Grossfeldgymnastik auf.

Die Turnfestteilnahmen der Aktivriege und der Leichtathletik waren sehr erfolgreich. Während Jahren war der Name des TV Attiswil viel in Zeitungen mit Berichten und Bildern vertreten. Unzählige Podestplätze wurden von stolzen Mitgliedern des TV Attiswil belegt. Die Pokalsammlung ist sehr gross. Im Jahr 2000 wurde der TV Attiswil Turnfestsieger in Roggwil.

Einige Leichtathleten schafften es sogar auf nationalem Niveau an Schweizermeisterschaften auf Podestplätze. Im Bericht der Leichtathletik sind diese aufgelistet. Die LA Attiswil war für viele Jugendliche der Start einer Sportlerkarriere:
-Jürg Egger erreichte an der Jugend-Olympiade den 6. Rang über 110 m Hürden, mehrere Podestplätze an Europameisterschaften im 4er Bob sowie zwei Olympiateilnahmen.
-Christian Niederberger konnte an verschiedenen LA-Länderkämpfen starten und wurde mehrfach Schweizermeister im 800m.
-Iris Lauper erreichte am Weltklasse-Meeting in Zürich den 2. Platz in der nationalen Serie des 800m.

Seit der offiziellen Eingliederung der Männerriege 2008 bietet der Turnverein seinen Mitgliedern von jung bis alt eine Möglichkeit, körperlich und turnerisch in verschiedenen Riegen aktiv zu sein.